HERMES 5, der Schweizer Standard für Projektmanagement, unterstützt nicht nur IT-Projekte in der aktuellen Version 5.1, sondern grundsätzlich alle Projektarten. Auch die Wahl des deutschen TÜV SÜD als neue Zertifizierungsstelle unterstreicht den Anspruch, über die Schweizer Grenzen hinaus tätig zu sein. Dr. Peter Duwe skizziert neue Wege für HERMES 5 und bewertet diese kritisch. Er gibt einen Überblick über HERMES 5-Zertifizierungen und vergleicht diese mit Zertifizierungen anderer relevanter PM-Normen.

HERMES wurde ursprünglich als Prozessmodell zur Bereitstellung informationsverarbeitender Systeme konzipiert. Die Abkürzung „HERMES“ steht für Handbuch der Elektronischen Rechenzentren der Bundes, Methode zur Entwicklung von Systemen. Bis vor zwei Jahren gab es bei HERMES zwei grundlegende Vorgehensmodelle: „HERMES SE“ für die Systementwicklung und „HERMES SA“ für die Systemanpassung. Der fachliche Prozess legte sehr klar fest, wie das Projekt geführt werden sollte. Dies zeigte sich bereits im SA- und SE-Zweiphasenmodell. Das Projektmanagement wurde genau mit dem Management von IT-Projekten in der Verwaltung abgestimmt. Ein Sonderfall war eine „abgespeckte“ Variante, etwa ein Organisationsentwicklungsprojekt. Im Wesentlichen wurden nur die organisatorischen Aspekte von IT-Projekten „benutzt“, und die Anpassung von Methoden an diese Spezialfälle oder spezifischen Projekte wurde als „Tailoring“ bezeichnet.

In der im April 2014 veröffentlichten Version 5 wurde HERMES grundlegend überarbeitet und erhebt den Anspruch, eine weitaus breiter anwendbare Projektmanagementmethode zu sein als zuvor. HERMES wird ständig weiterentwickelt. Die letzte Hauptversion, 5.1, wurde im Juni 2014 veröffentlicht, wobei Inkonsistenzen behoben und einige Aspekte geklärt wurden. Dieses Handbuch geht davon aus, dass HERMES eine Projektmanagementmethode für Projekte in den Bereichen Informatik, Dienstleistungs- und Produktentwicklung und Anpassung von Unternehmensorganisationen ist. Dieser Anspruch wird bereits durch das neue und sehr allgemeine Phasenmodell unterstrichen. Es besteht aus nur 4 Phasen, ist also eigentlich sehr allgemein gehalten und kann jederzeit verwendet werden.

Modulares System

Mit der Version 5 ist HERMES modular und durchgängig aufgebaut. Jedes Modul enthält eine Reihe themenbezogener Aufgaben und deren Ergebnisse. Aufgabenzuständigkeiten werden Rollen zugeordnet, die in der Kern- und Projektorganisation definiert sind. Module sind wiederverwendbare Bausteine, aus denen sogenannte Szenarien zusammengesetzt werden.

Dabei berücksichtigt HERMES, dass es Projekte mit sehr unterschiedlichem Charakter, Inhalt und Komplexität gibt. Tatsächlich bilden acht vordefinierte Standardszenarien auch den Beginn des Projektaufbaus. Je nach Art oder Zweck des Projekts wird ein geeignetes Szenario ausgewählt und an das spezifische Projekt angepasst.

Konzentrieren Sie sich auf Ergebnisse

Aufgaben helfen, Ergebnisse zu entwickeln. Ein „Ergebnis“ im Sinne von HERMES ist nicht nur ein Objekt (z. B. Prototyp), sondern auch ein Status (z. B. „System abgenommen“) usw. Jedes Ergebnis hat eine obligatorische Beschreibung des Ergebnisses. HERMES stellt viele Ergebnisdokumentvorlagen zur Verfügung. Diese konkretisieren die Ergebnisse und unterstützen die Verantwortlichen bei deren Erstellung. HERMES benennt für jedes Outcome die an seiner Erstellung beteiligten Rollen und stellt Verbindungen zur Projektorganisation her. Ein höheres Maß an Einhaltung der Projektsteuerung wird erreicht, indem ein Mindestsatz von Mindestergebnissen definiert wird (immerhin 37 von insgesamt 73 Ergebnissen). Insbesondere stellen die Mindestergebnisse sicher, dass nach HERMES 5 geführte Projekte des Bundes die Anforderungen einer Prüfung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle erfüllen. Das Ergebnis ist also der eigentliche Kern der Methode.

In Wirklichkeit gibt es kein Projekt, in dem alle Ergebnisse entstehen. Wird das Modul nicht verwendet, entfallen auch die relevanten Ergebnisse (auch Minimalergebnisse). Auch andere Ergebnisse können aus gutem Grund weggelassen werden. Es wurde als offene Methode konzipiert, um HERMES 5 für ein breites Anwendungsspektrum zugänglich zu machen. Auf diese Weise können und sollten zusätzliche Ergebnisse, Aufgaben, Module und sogar Szenarien für bestimmte Projekte und Organisationen entworfen werden. Beispielsweise können Sie die Ergebnisse des Szenarios „Elektrofahrzeugentwicklung“, des Moduls „Marketing“ oder des „Logistikkonzepts“ definieren und integrieren. Eine praktische Anpassung der Projektgröße durch Zusammenfassung der Ergebnisse ist ebenfalls geplant. So vermeiden Sie, gerade bei kleinen Projekten, eine „Dokumentenflut“ zu ersticken.

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